Über uns

Die Paderborner Gesellschaft für
Christlich-Jüdische Zusammenarbeit

Die Paderborner Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit entstand erst 1987. Schon 1950 hatte die neugegründete Jüdische Gemeinde die neue Synagoge in der Pipinstraße bezogen und in der Folge gab es den einen oder anderen privaten wie offiziellen Kontakt, aber “die Zeichen der Buße, das Bekenntnis des eigenen Versagens durch Schweigen und Wegsehen blieben aus, die kleine Gemeinde blieb unter sich.” (E.Angreß) Lange traf sich nur eine kleine Gruppe von gesellschaftlich und politisch Engagierten alljährlich am 9. November im Gedenken an die Opfer der Reichspogromnacht am Standort der 1938 zerstörten Synagoge. 1980 errichtete die Stadt Paderborn dort ein kleines Denkmal, das 1993 durch das neue, vom dänischen Künstler Per Kirkeby gestaltete Mahnmal ersetzt wurde. Mit der Umgestaltung und Umbenennung des Platzes in “An der alten Synagoge” rückt das ehemalige Zentrum jüdischen Lebens in Paderborn wieder in den Blickpunkt, ähnlich auch durch die Errichtung einer Stele zur Erinnerung an das ehemalige jüdische Waisenhaus im selben Jahr, gestaltet durch den Oelder Bildhauer Werner Klenk, und durch die Errichtung eines Gedenksteines 1995 für den alten jüdischen Friedhof „Am Hilligenbusch“.

Es war Professor Hubert Frankemölle, kath. Neutestamentler an der Universität Paderborn, der nach jahrelangen Besuchen mit Studierenden und Vorgesprächen das Vertrauen des damaligen Vorsitzenden der Jüdischen Kultusgemeinde, Erwin Angreß, gewann. Zusammen mit den detaillierten Forschungsarbeiten der Paderborner Historikerin Dr. Margit Naarmann zur Geschichte der Juden in Paderborn und zu ihrer Verfolgung in der NS-Zeit ist es das Verdienst von Hubert Frankemölle und des Vorstands der GCJZ, dass die jüdische Kultusgemeinde heute in der Öffentlichkeit und als Teil des kulturellen Lebens Paderborns stärker wahrgenommen wird. Nur 10 Jahre nach ihrer Gründung wurde 1997 die „Woche der Brüderlichkeit“ in Paderborn eröffnet.

Die GCJZ Paderborn hat in ihrer Arbeit verschiedene Schwerpunkte gesetzt: Neben den Veranstaltungen zur „Woche der Brüderlichkeit“ (alljährlich Anfang März), der Gedenkstunde am 9. November für die Opfer der Reichspogromnacht von 1938 und am Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz am 27. Januar begegnen Schüler wie Erwachsene dem Judentum und der Geschichte der Paderborner Juden bei Führungen in der Synagoge, über den jüdischen Friedhof an der Warburger Straße und auf jüdischen Spuren durch Paderborn. Zeitzeugen der Schoa berichten über ihre Erfahrungen in Schulen wie vor Erwachsenen. Christlich-jüdische Gemeinschaftsfeiern, Theater- und Musikaufführungen, Lesungen sowie Ausstellungen und Vorträge vermitteln Einblicke in Geschichte, Kultur und Religion des Judentums und Israels. Tagesfahrten zu jüdischen Gedenkstätten und Orten jüdischen Lebens stehen ebenso auf dem Programm wie mehrtägige Exkursionen z.B. nach Antwerpen, Westerbork, Krakau und Auschwitz, Bergen-Belsen, Berlin, Prag, nach Israel und in das Baltikum. Ein besonderer Schwerpunkt ist die theologische Reflexion des christlich-jüdischen Dialogs. Nicht zu vergessen ist die Auseinandersetzung mit der gegenwärtigen Situation im Nahen Osten. Zu den Gästen des „Nahostgesprächskreises“ gehören Juden aus Israel ebenso wie palästinensische Christen und Muslime. In jedem Winterhalbjahr wird der jüdisch-christliche Dialog im „Gesprächskreis Judentum – Christentum – Islam“ (in Zusammenarbeit mit den Fächern ev. und kath. Theologie an der Universität) zum jüdisch-christlich-islamischen Trialog geöffnet.